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Cerry und Johann Eller

Caroline (Cerry) Hirsch wurde am 18. April 1891 in Chicago geboren. Nach der Rückkehr aus den USA betrieb ihr Vater, Herrmann Hirsch, in der Oppenheimer Vorstadt einen Altwarenhandel.

1911 heiratete sie den Schwabsburger Johann Eller II. (geboren am 30.1.1888) und trat zum evangelischen Glauben über.

Ihr Mann Johann, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kam, war von Beruf Maurer. In Nierstein begann das Ehepaar ebenfalls einen Altwarenhandel. Doch die wirtschaftlichen Verhältnisse waren hart. Als im Jahr 1923 im rheinhessischen Raum deutsch-brasilianische Grundstücksagenten auftauchten und von der verlockenden Welt Südamerikas berichteten, waren die Ellers begeistert. Endlich ein Entrinnen aus dem von Wirtschaftskrisen geschüttelten Deutschland!

Sie verkauften ihr bescheidenes Geschäft und setzten alles auf eine Karte. Zusammen mit über zwanzig Familien aus Bodenheim, Dexheim, Nackenheim, Nierstein, Oppenheim und Schwabsburg brachen sie im Februar 1924 in der Hoffnung auf ein besseres Leben per Schiff nach Brasilien auf. Unter den Mitreisenden befanden sich auch die Familien der später ermordeten Freunde Jakob Schuch und Georg Eberhardt.

Aber schon in Rio de Janeiro mussten die Auswanderer erkennen, dass man sie betrogen hatte. Das versprochene Land wurde nicht zugeteilt. Außerdem gab es Schwierigkeiten mit den Einwanderungsbehörden. Das Ehepaar Eller mit seinen fünf Kindern stand, wie alle anderen, vor einem Nichts. Dennoch ließen sich die Auswanderer nicht entmutigen. Im Landes-innern rodeten sie den Urwald und legten eine kleine Kolonie an, die ihren Lebensunterhalt notdürftig sichern konnte. Tropenkrankheiten und Entbehrungen zwangen die Rheinhessen schließlich doch zur Aufgabe. Als eine der letzten Familien kehrten die Ellers im Dezember 1925 in ihre Heimat zurück und nahmen ihr altes Geschäft wieder auf. Noch hatte die Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt nicht erreicht, aber in Deutschland begannen sich die politischen Kräfte zu polarisieren.

Johann Eller, 1907 Mitbegründer des Schwabsburger Sozialdemokratischen Wahl Vereins, machte auch jetzt keinen Hehl aus seiner Gesinnung. Nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933 setzte der Terror gegen die "nicht-arische" Familie Eller ein. Ihr Geschäft wurde geschlossen, die SA machte überfallartige "Haussuchungen". Während man den ehemaligen stellvertretenden Feuerwehrkommandanten Johann Eller vom öffentlichen Leben ausschloss, waren seine Kinder als Kanonenfutter willkommen. Der älteste Sohn Hans fiel schon zu Beginn des Krieges in Frankreich, zwei weitere Söhne waren eingezogen.

Der mutige Eller nahm auch jetzt kein Blatt vor den Mund. Wo er nur konnte, wies er darauf hin, dass die großen "Kämpfer" der NSDAP alle noch zu Hause waren, seine Söhne aber an der Front standen. NS-Ortsgruppenleiter Bittel, der wegen seiner "Wehruntauglichkeit" Nierstein nie verließ, erklärte nach Ellers Verhaftung 1945: "Der Eller war schon immer ein frecher Mensch."

Auch die Familie Cerry Ellers hatte grausam unter dem Faschismus zu leiden. Ludwig Hirsch, Cerrys Bruder, wurde zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern abgeholt. Der eine Sohn starb nach brutalen Misshandlungen auf dem Transport in Frankfurt. Die anderen Familienmitglieder wurden ins KZ Theresienstadt verschleppt und später in einem Vernichtungslager vergast.

Am 21. März 1945 wurde sie in Sichtweite ihrer Heimat auf dem Kornsand ermordet.


Im Juni 2013 wurden auf Initiative des Geschichtsvereins Nierstein e.V. für die Opfer des Nationalsozialismus im Rahmen einer Gedenkfeier von dem Künstler Gunter Demnig Stolpersteine verlegt.
Cerry und Johann Eller wohnten in Nierstein, Ringstraße 19

Cerry und Johann Eller


(Stolpersteine sind 10 cm x 10 cm x 10 cm große Betonquader, auf deren Oberseite eine Messingplatte verankert ist. Auf den Messingplatten werden die Namen und Daten von Menschen eingeschlagen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.)


 

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Cerry Eller

Johann Eller
 
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