| Kennen
Sie Geißkraut, Bocksfutter, Nistel, Wintergrün, Hexenkraut
und -besen, oder Donnerkraut, Donnerbesen und Bocksfutter? Bestimmt!
Es handelt sich um die Mistel. Die immergrüne Pflanze erschien
schon unseren Vorfahren geheimnisvoll. Sie wächst hoch oben
in den Bäumen, scheinbar losgelöst von Himmel und Erde
und streckt ihre Zweige kugelförmig und gleichmäßig
in alle Richtungen und trägt im Winter weiße, zartschimmernde
Beeren.
Es gibt viele Legenden und Mythen um die Mistel. Schon in der
griechischen Mythologie wurde sie erwähnt. Auch für
die Druiden, die Hohenpriester in Gallien und Britannien, war
die Mistel die heiligste aller Pflanzen. Sie wurde als ein Zeichen
der Götter angesehen. Deshalb wurde die Mistel von den Druiden
auch nur im Rahmen von Gottesdiensten mit einer goldenen Sichel
geerntet und mit einem weißen Tuch aufgefangen. Dabei wurde
darauf geachtet, dass diese nicht mit dem Boden in Berührung
kam. Die Mistel war für alle erdenklichen Gesundheitsbelange
unverzichtbarer Bestandteil eines "Zaubertrankes". Über
der Haustür angebracht, schützte die Mistel außerdem
gegen böse Geister.
Es gibt verschiedene Arten der Mistel. Die eine gedeiht nur auf
Laubholz, eine weitere nur auf Tannen und eine dritte Art nur
auf Kiefern und Fichten. Aber nur die Laubholzmistel weist weiße
Beeren und weißen Samen auf. Die Beeren enthalten einen
klebrigen kautschukartigen Schleim, der am Schnabel der Vögel
(Misteldrosseln) haften bleibt. Um den klebrigen Stoff vom Schnabel
von entfernen, wetzen sie diesen an Ästen. Dabei wird die
Rinde verletzt und der Samen bleibt, quasi an der vorbereiteten
Stelle, haften und fängt an zu keimen.
Übrigens: Der Begriff "Vikosität"
geht auf den fädenziehenden Schleim der Mistelbeeren (die eigentlich keine Beeren sind) als das Maß für die Zähigkeit einer fließfähigen Substanz, zurück.
Die Mistel ist ein Parasit, die von anderen Pflanzen lebt. Früher bezeichnete man sie als so genannten Halbschmarotzer, da sie zur
Photosynthese fähig ist und eigenes Blattgrün bilden.
Man war der Meinung, dass die Pflanze sich nur mit Wasser und Mineralstoffe von ihrem Wirt versorgt. Dies geschieht durch den Anschluss an die Leitungsbahnen. Es liegen aber Erkenntnisse vor, dass die Leitungsbahnen auch für die Assimilate durch verschiedene Halbschmarotzer genutzt werden.
Deswegen wird dieser Begriff heute nicht mehr verwendet.
Das Schmarotzertum
der Mistel besteht darin, dass Senkerwurzeln in das Holz
getrieben werden und so die Nährstoffversorgung erfolgt.
Sie zählt zu den
epiphytisch lebenden Pflanzen, das sind Pflanzen, die auf anderen
Pflanzen wachsen.
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Im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue
und in anderen Gegenden im Ried und am Rhein ist die Mistel weit
verbreitet. Die Gebilde hängen, großen Kugeln gleich,
in den Ästen der Bäume. Besonders im Winter und im Frühjahr
kann man dieses immergrüne Gewächs gut erkennen.
Noch in der heutigen Zeit ist die Mistel als Glücksbringer
bekannt. In der Schweiz flocht man der Braut ein Teil einer Mistel
in den Brautkranz ein, in der Bretagne ist es Brauch, dass
Verlobte unter die Mistel treten. Nach einem aus Skandinavien
und England stammenden Brauch darf man ein Mädchen ungefragt
unter einer Mistel küssen. Allerdings muss nach jedem
Kuss eine Beere von der Mistel gepflückt werden. Sind
alle Beeren gepflückt, endet das Privileg. "No misteltoe,
no luck."
Zum Thema Naturschutz teilt der BUND-Hessen mit, dass die Mistel, entgegen landläufiger Meinung, nicht unter Naturschutz steht.
Das gewerbsmäßige Sammeln ist allerdings an behördliche Genehmigungen geknüpft. Zu privaten Zwecken darf sie gepflückt werden, doch mit dem Vorbehalt, dass der Baum dabei nicht beschädigt wird.
In Naturschutzgebieten ist das Sammeln nicht erlaubt.
Während der Weihnachtszeit kann man Misteln auf Märkten
kaufen.
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