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Festung Rüsselsheim

Die auf dem 50 Grad nördlicher Breite liegende Festung Rüsselsheim ist eine der bedeutendsten Festungen Hessens, 1399 erstmals urkundlich erwähnt, steht im Mainvorland Rüsselsheims in unmittelbarer Nähe der Opelvillen und des Stadtparks (Verna-Park).

Die Festungsmauern beherbergen das vom Europarat preisgekrönte Industrie- und Stadtmuseum, das erste Museum der Bundesrepublik, das die Geschichte der Industrialisierung mit Sozial- und Kulturgeschichte verband.

Von den vier Geschütztürmen, die während des Dreißigjährigen Krieges außer zur Verteidigung auch als Soldatenunterkünfte dienten, erinnern die Reste des Ostturmes, des Ostrondells ("Haßlocher Rondell"), an das Leben in den Kasematten. Ein Kapitän, zwei Gefreite und 17 Soldaten waren hier auf engstem Raum untergebracht.
Die Wallanlage ist teilweise begehbar. Von hier haben Besucher einen guten Blick auf Mainufer und Teile der vierflügeligen, fast quadratischen Festungsanlage, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts ausgebaut wurde.

Im inneren Wehrgraben, unterhalb der Kasematte zur Westbastion, befinden sich die am schönsten restaurierten Räume der Festung: die Brunnenstube und ein damit verbundener Nebenraum. Die Räume sind seit 2003 während der Führungen wieder öffentlich zugänglich.
Nach Freilegung konnte den beiden Räumen keine Funktion zugeordnet werden. Denn, genau in der Trennwand befindet sich ein Brunnen. Der größere Raum, 6,40 m breit und 5,80 m lang, ist mit dem inneren Festungsgraben verbunden. Der Brunnen mit einem Durchmesser von 1,10 m hat einen offenen Schacht bis zur Wallkrone. Der angrenzende Raum ist 10 m lang und verjüngt sich von 4 m bis auf 0,60 m Breite. An der schmalsten Stelle steht ein gemauerter Kamin, der wie der Brunnen bis zur Wallkrone reicht.
Heute sind in den Räumen Fundstücke von Ausgrabungen ausgestellt, darunter eine steinerne, 50 cm dicke Mörserkugel, Fragmente von Tabakspfeifen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ein Topfdeckel aus Idenware mit dem Rest einer Eierschale und Fragmente von Glasgefäßen.

Treffpunkt für Gegenwart und Vergangenheit ist das Stadtarchiv Rüsselsheim (Tel.: 06142/832960) in der Festung. Es bietet Beratung für Recherchen, Hilfe bei der Archivnutzung, Begleitung und Unterstützung von Schulprojekten und vieles mehr. Das älteste überlieferte Dokument ist ein Protokoll des Schöffengerichts mit Eintragungen seit dem Jahr 1504.
Auch der Heimatverein Rüsselsheim 1905 e.V. (Tel.: 06142/81709), der seit 1909 in der Festung untergebracht ist, verfügt über ein umfangreiches Archiv mit Bildern, Fotos, Presseartikeln, Dokumenten, Büchern und Tonbandaufzeichnungen zu Ereignissen in Rüsselsheim, Vereinen, Firmengeschichte und Stadthistorie.

Die Festungsmauern beherbergen auch ein Café mit angrenzendem Festungskeller. Die Festung ist nicht nur ein historischer, sondern auch ein kultureller Mittelpunkt der Stadt. Die Konzerte im Festungskeller sind ebenso wie der jährliche Kunsthandwerkermarkt überregional bekannt.

Die Festung Rüsselsheim als „festes Hus“, Kommandozentrale, Soldatenunterkunft, Abenteuerspielplatz, Lazarett, Jugendherberge und das Innere der Wallanlagen genutzt für die Champignonzucht? Die Geschichte der Festung ist auch die Geschichte ihrer Nutzung.

Zur Sicherung des Mainübergangs zwischen der Ober- und Niedergrafschaft Katzenelnbogen angelegt, bauen die Grafen Eberhard V. (1322-1402) und Johann IV. (1370-1444) von Katzenelnbogen ein "festes Hus", ein steinernes Haus, am Ufer des Untermains bei dem Dörfchen Rüsselsheim. Das Grafenhaus ist reich und mächtig und baut die Festung gegen die Widerstände der Städte Mainz und Wiesbaden. Viele rheinische Erzbischöfe sind bei ihnen verschuldet. Das "festes Hus" dient als Zollschreiberei und zur Sicherung ihres Besitzes und ihrer Rechte.
Die Fundamente befinden sich heute im Innenhof der Festung.

 

Ostrondell
Turm
Festungsgraben
Veranstaltung im Rahmen Kunsthandwerkermarkt
Festung Rüsselsheim
Brunnenstube mit Brunnen und Durchgang zum Nebenraum
Nebenraum mit Mörserkugel und Exponaten
   


Mit Genehmigung von Kaiser Sigmund (1368 - 1437) bauen die Grafen 1437 das Haus zu einer Burg aus. Rüsselsheim wird zur Stadt erhoben. Allerdings muss die Bevölkerung die Gebäude und Befestigungsanlagen mitfinanzieren.
1479 übernehmen die Landgrafen von Hessen, nach dem Aussterben des Geschlechtes der Katzenelnbogener im Mannesstamm, neben Dornberg (Groß-Gerau) unter anderem den Besitz in Rüsselsheim. Sie errichten ab 1507 zweigeschossige Rondelle an der ursprünglich nur mit Erdwällen geschützten Anlage. Der rechteckige, fast schon quadratische Grundriss der Festung und der Wallanlagen ist ebenso bemerkenswert wie die Bauweise mit vier Gebäudeflügeln. 1534 lässt Landgraf Philipp I., der Großmütige (1504-1567), die äußere Wallmauer wesentlich verbreitern. Der innere Graben besteht aus gewölbten Gängen, die die Rondelle verbinden. 4,20 m dick sind die Mauern der Geschütztürme. Die Innenräume haben eine Grundfläche von 4,20 qm.

Im 16. Jahrhundert steigt die Festung zu einer von vier hessischen Landesfestungen auf und hat besonders während des Schmalkaldischen Krieges (1546/1547) militärische Bedeutung. Hier ist die Kommandozentrale für den süddeutschen Raum. Bis zu 450 Soldaten sind stationiert. Kaiser Karl V. (1500-1558) kämpft gegen den Schmalkaldischen Bund, einem Bündnis protestantischer Fürsten und Städte. 1547 wird nach der Niederlage der Protestanten die Festung teilweise geschleift.
In den Jahren 1560 bis 1563 wird sie wieder aufgebaut.

1631, während des Dreißigjährigen Krieges, nutzt die schwedische Besatzung die Festung. 1633 erhält Landgraf Georg II. (1605-1661) von Hessen-Darmstadt diese zurück. In der Folgezeit überfallen schwedische Dragoner und Musketiere Rüsselsheim immer wieder, halten sich aber von der Festung fern. Die Bevölkerung darf im Schutz der Festungskanonen Zuflucht suchen, die Festung aber nicht betreten. Nur die Lebensmittelvorräte dürfen in der Festung deponiert werden, damit sie nicht in die Hände der Schweden fallen. Doch meist bedient sich die hungrige Besatzung an den Vorräten.

1688 wird die Festung im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 – 1697) von französischen Truppen eingenommen und 1689 gesprengt. Die Ruinen bleiben über Jahrhunderte liegen und werden für verschiedene Zwecke genutzt.

1954 erwirbt die Stadt Rüsselsheim die Festung und macht sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Ab 1990 wird die Festung, unter Einbeziehung des Denkmalschutzes, restauriert. 1995 wird die Bürgerstiftung Festung gegründet. Deren Ziel ist es, die Festungsanlage Rüsselsheim zu renovieren und auszubauen. Damit unterstützt sie die Stadt Rüsselsheim in ihren Anstrengungen um Erhalt und Erforschung der historischen Festungsanlage.

Luftaufnahme: © Stadt Rüsselsheim


Festung Rüsselsheim

Adressen und Öffnungszeiten:

Der begehbare Teil
der Wälle ist geöffnet:
Di. bis So.
von 10 bis 16 Uhr.
Im Rahmen von
Führungen kann die
Brunnenstube besichtigt werden.
Das Ostrondell kann auch außerhalb der
Öffnungszeiten des
Museums besichtigt
werden.
Adresse: Hauptmann-Scheuermann-Weg 4

Industrie- und Stadtmuseum
Hauptmann-Scheuermann-Weg 4 (In der Festung)
Tel. 06142/83-29 50
Fax 06142/83-29 65
museum@
ruesselsheim.de

Di–Fr: 9–12.30 Uhr und 14.30–17 Uhr
Sa und So: 10–13 Uhr und 14–17 Uhr

Stadtarchiv
Hauptmann-Scheuermann-Weg 4
(In der Festung)
Tel. 06142/83-29 60
Fax 06142/83-29 65
stadtarchiv.
ruesselsheim @t-online.de
Di und Do: 9–13 und
14–17 Uhr sowie nach Voranmeldung

Stadtinformationen
Magistrat der Stadt Rüsselsheim
Fachbereichh Zentrale Dienste, Öffentlichkeitsarbeit
Marktplatz 4
65428 Rüsselsheim
Tel. 06142/83-22 14
Fax 06142/83-22 43
oeffentlichkeitsarbeit@ ruesselsheim.de

Bürgerstiftung Festung
Uwe Hurlin
Postfach 11 22
65404 Rüsselsheim
Tel. 06142/1 30 16
Fax 06142/8 15 48 uwe@hurlin.de

Heimatverein Rüsselsheim 1905
c/o Postfach 1734
Pommernstrasse 23
65428 Rüsselsheim
Telefon: 06142/81709
Fax: 06142/796495
E-Mail:
manfred.powalka@t-online.de
Archiv in der Festung, 1. Stock, geöffnet jeden Donnerstag, von 16 - 18 Uhr, außer an Feiertagen.

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