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Das Stadt- und Industriemuseum der Stadt Rüsselsheim befindet sich innerhalb der spätmittelalterlichen #Festung Rüsselsheim, in unmittelbarer Nähe der #Opel-Villen.
Das europaweit als Modell bekannt gewordene Museum wurde 1976 eröffnet. Aufgrund seiner neuartigen Ausstellungskonzeption, die erstmals Technik-, Industrie- und Sozialgeschichte im Zusammenhang darstellt, erhielt das Museum 1980 als "gegenwärtig eines der bedeutendsten und einflussreichsten Museen Europas" den Museumspreis des Europarates. Die UNESCO stellte das Rüsselsheimer Museumskonzept in ihrer Zeitschrift "museum" vor.
Sie erhalten eine Fülle von Informationen über kulturelle, soziale, wirtschaftliche, technische und politische Entwicklungen von der vor- und frühgeschichtlichen Zeit bis zum 20. Jahrhundert. Schwerpunkte sind Arbeitstechniken und Arbeitsverhältnisse, wirtschaftliche, ökologische, soziale und politische Entwicklungen, Wohnverhältnisse sowie Kunstwerke verschiedener Epochen.
Berichtet wird ebenfalls über die Urgeschichte bis zur Römerzeit, Rüsselsheim vom Mittelalter bis zum Beginn der Industrialisierung; Rüsselsheim vom Beginn der Industrialisierung bis 1945; die Nachkriegszeit, u.a. mit dem Wiederaufbau der Stadt und des Opelwerkes; Mensch und Natur mit "orbis pictus naturae"- ein ökologischer Überblick von der Urgeschichte bis zur Industriezeit.
Die Ausstellungsstücke der verschiedenen Epochen sind sehr gut erklärt. Die Anordnung der zum Teil beweglichen Modelle, die Aufteilung der Räume und die Großfotos vermitteln Eindrücke und Wissen auf kurzweilige und lebendige Art.
Ende 2004 wurde das Museum erweitert. Gezeigt wird "Rüsselsheim nach 1945 - Eine Zeitreise durch 50 Jahre Stadt- und Industriegeschichte".
Auch hier kommt die bisherige Konzeption des Museums zum Tragen: Industrielle Technik und soziale Lebensverhältnisse werden nicht getrennt, sondern aufeinander bezogen präsentiert. Der Bogen spannt sich von der Trümmerzeit und der Not nach 1945, dem Wiederaufbau der Stadt und des Opelwerks, der Entstehung neuer Wohngebiete, den ersten Gastarbeitern und deren Unterkünfte sowie den technischen Errungenschaften der Zeit, vom Elektromixer über Kameras mit verschiedenfarbigen Filtern bis hin zu einem Plattenwechsler, der damals in jeder Gaststätte zu finden war.
Von der #Adam Opel AG wurden Großobjekte wie Fließband, Kolbendrehmaschine und ein Opel-Blitz sowie von der Kuka-AG ein Industrie-Roboter zur Verfügung gestellt. Weiterhin sind ein fast neuwertiger Opel Olympia Rekord (Baujahr 1958, Preis: 6385.- DM, Höchstgeschwindigkeit: 125 Km/h) und Objekte zum Bereich Wohnen und Freizeit zu sehen. Darstellungen aus der Lebens- und Arbeitswelt der vergangenen 50 Jahre sowie Dokumente, Fotografien und Berichte runden den Eindruck zum Zeitgeschehen ab.
Anfang 2008 wurde die Ausstellung um wesentlich Dokumente und Anschauungsstücke aus der NS-Zeit erweitert. Die Verfolgung Rüsselsheimer Bürger jüdischen Glaubens mit Fanny Mörtel als einzige Überlebende, das Schicksal der Fremd- und Zwangsarbeiter, der Alltag in der NS-Zeit, die Folgen der Bombardierung und die Lynchjustiz an einer Flugzeugbesatzung bilden zusätzliche Einblicke.
Ein zerfetzter Opel Blitz aus dem Kriegseinsatz in Frankreich oder an eine Gestapo-Jacke, die Interessantes in der Innentasche barg: Der letzte Träger war offenbar damit zuletzt 1990 in Dresden aufgetreten gehören ebenso zu der Zeit wie die Tür eines Luftschutzbunkers.
Die ehemalige ukrainische Zwangsarbeiterin Melanija Kovtunjok hat dem Museum eine Zeichnung mit einer erschütternden Szene aus dem ehemaligen Arbeitslager überreicht. Dieses lag an der heutigen Mainzer Straße (damals "Stalinallee" genannt). Dieses wurde während eines Fliegerangriffes bombardiert. Es starben 252 Einwohner Rüsselsheims und 210 Ausländer.
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Auch in diesem Teil des Industrie- und Stadtmuseums kommt moderne Technik zur Wissensvermittlung zum Einsatz.
An Monitoren können über die "Touch Screen"-Technik Bildfolgen abgerufen werden, Tonaufnahmen sind zu hören, plastische Ausstellungsstücke verdeutlichen einzelne Themen - vom Judenstern bis zum Mutterkreuz und Volksempfänger. Ausführlich geht der Ergänzungsbereich auch auf die Rüstungsproduktion im Opelwerk ein.
Aufschlussreich und bedenkenswert, was über das Verhalten des General-Motors-Konzerns als Eigentümer der Opelwerke zur Rüstungsproduktion für den Kriegsgegner nachgelesen werden kann. "Man habe als international tätiges Unternehmen auf "rein geschäftlicher Ebene" gehandelt, "ohne Rücksicht auf das herrschende Regime".
Im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim werden auch Stadtführungen und Führungen durch den spätromantischen Verna-Park am Mainufer angeboten. Für Lehrerinnen und Lehrer, die für ihre Schüler Geschichte erlebbar machen wollen, stehen didaktische Handreichungen und ein Arbeitsraum für bis zu 30 Personen zur Verfügung.

Museumsleiterin
Dr. Bärbel Maul, eine Frau mit fundiertem Fachwissen, steht seit Januar 2009 an der Spitze des Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseums. Neben ihrer Berufstätigkeit ist Maul Lehrbeauftragte am Pädagogischen Institut der Universität Mainz und an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel zu Museumspädagogik.
Bärbel Maul fühlt sich dem Rüsselsheimer Museum schon lange verbunden. In den 80er Jahren war sie auf Honorarbasis als Museumsführerin tätig. Im Rahmen der "Route der Industriekultur" hatte sie auch bereits mit ihrem Vorgänger Dr. Peter Schirmbeck zusammen gearbeitet.
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